Schlaganfallgruppe feiert Jubiläum

Vor 25 Jahren gründete das Ramspauer Ehepaar Dr. Waltraud und Dr. Dieter Allhoff den Selbsthilfeverein für Aphasiker. Jährlich erkranken 80 000 Menschen.

VON SIEGLINDE GEIPEL, MZ.
RAMSPAU. Aphasiker sind Menschen, die ihre Sprache ganz oder teilweise verloren haben. „Sie brauchen kein Mitleid, aber viel Verständnis, Geduld und Toleranz“, stellte Dr. Waltraud Allhoff, Gründerin der Selbsthilfegruppe für Aphasiker, bei der Jubiläumsfeier in Ramspau fest. Der Vorsitzende Franz Paul dankte auch Mitbegründer Dr. Dieter Allhoff.

Ihre Gründungsgedanken hätten in den vergangenen 25 Jahren reichlich Frucht getragen. Als therapeutischer Beistand stünden sie auch heute der Gruppe in allen Bereichen zur Seite, betonte Paul. Dr. Waltraud Allhoff wies daraufhin, dass Franz Paul vor sieben Jahren durch einen Schlaganfall seine Sprache verloren habe. Dass er heute als Vorstand eine Rede  alte, sei nicht selbstverständlich. Es sei eine Ausnahme und ein Glücksfall und bedeute viel Übung, sagte die Gründerin. „Trotz Sprachstörungen miteinander sprechen“, so lautete das Motto des ersten Treffens vor 25 Jahren.

Dieser Grundgedanke bestimmt auch heute die Arbeit der Gruppe. Jährlich erkranken in Deutschland 80 000 Menschen. Trotzdem seien die Aphasiker eine Randgruppe, die kaum wahrgenommen würde, so die Gründerin. Kampf gegen Vorurteile Diese könnten sich nicht lautstark melden, sie seien eine leise Randgruppe. Ziel der Selbsthilfegruppe sei es unter anderem, Betroffene und Angehörige zusammenzubringen, gemeinsame Dinge zu unternehmen und sich auszutauschen.

Außerdem sei es wichtig, in der Öffentlichkeit über das Krankheitsbild zu informieren und gegen Vorurteile zu kämpfen, betonte die Gründerin. Aphasie sei eine Sprachstörung, aber keine Denkstörung. „Die Sprache zu verlieren ist genauso grausam wie eine Isolationshaft. Sich nicht mehr mit eigenen Worten verständigen zu können, berührt die persönliche Würde“, zitierte Bürgermeister Siegfried Böhringer den ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog. Er selbst habe bisher auch nicht gewusst, was das Wort „Aphasie“ bedeute. Er dankte den Gründern für die hervorragende Arbeit, die Hoffnung für Betroffene und Angehörige bringen. „Was es bedeutet, sprechen zu können, weiß man erst, wenn man die Sprache verloren hat“, sagte er.

Menschlichkeit und Solidarität Regensburgs Bürgermeister Joachim Wolbergs sprach den Betroffenen, die ihr Schicksal meistern und den Angehörigen, für die sich alles verändere, seinen großen Respekt aus. Selbsthilfe sei heute eine sehr wichtige Säule in der Gesundheitsversorgung. In einer Zeit, in der jede Leistung an ihrer Wirtschaftlichkeit gemessen werde, sei die Menschlichkeit, die in dieser Selbsthilfegruppe gelebt werde, Dividende der vergangenen 25 Jahre, erklärte Landrat Herbert Mirbeth.

Der Staat könne viel leisten, aber er könne keine Menschlichkeit verordnen. Solidarisches Verhalten und ehrenamtliches Engagement bei der Aufarbeitung des Schicksals sowie Rückund Hinführung zu einem würdevollen Leben werde hier in vorbildlicher Art und Weise gelebt. Der offiziellen Geburtstagsfeier ging ein sehr persönlich gehaltener Gottesdienst mit Pfarrer Josef Vogl voraus, in demer den Betroffenen Mut und Trost zusprach.