Sprachstörung Aphasie: Wenn die Worte fehlen

25. Februar 2015

Selbsthilfegruppe bietet Betroffenen Information und Hilfe

REGENSBURG, 07. Dezember 2001. Aphasie ist eine Sprachstörung, die vor allem nach einem Schlaganfall, aber auch nach Hirnschädigung als Unfallfolge oder nach Hirntumoren auftritt. Aphasiker – deren Intelligenz, deren Bewusstsein und Denken erhalten geblieben ist – können auf einmal Selbstverständliches nicht mehr: Ein Wort finden, einen Satz sprechen, einen vertrauten Namen nennen, ein Telefonat entgegennehmen. Häufig finden sie nur mühsam ihre Sprache wieder, ein Prozess, der über viele Jahre gehen kann.

Waltraud Allhoff, Logopädin und Sozialpädagogin, hat zusammen mit ihrem Mann Dr. Dieter Allhoff die Regensburger Selbsthilfegruppe Aphasiker vor 15 Jahren gegründet. „Von den Ärzten bekommt man zu wenig gesagt. In der Selbsthilfegruppe sieht man, dass es viele gibt, die darunter leiden“, so die Vorsitzenden Karl Rrunner und Franz Nagel. Beide sind Unfallopfer.

Nagel macht jeden Tag Übungen mit einer Kassette, die er nachsprechen muss. „Wichtig ist vor allem der Wille, wieder sprechen zu können. Ich habe nach meinem Unfall zwei Jahre lang gesagt ich will sterben – aber dann kam der Wille zum Kämpfen.“ Brunner ist seit 16 Jahren Aphasiker. „Aber es geht jedes Jahr wieder etwas besser, doch üben muss ich trotzdem jeden Tag. Der Computer ist mir dabei eine große Hilfe.“

Logopädie muss verschrieben werden wie Krankengymnastik – bei älteren Herrschaften lehnen das die Kassen oft ab. „Dabei trifft es gerade ältere Leuten sehr hart, wenn die Sprache fehlt“, so Allhoff.

Weil die Krankheit in der Öffentlichkeit nahezu unbekannt ist, wissen viele nicht, dass trotz aller Sprachlosigkeit der Patienten Gefühl und Intelligenz nicht betroffen sind. Rund 42 000 Menschen werden jedes Jahr von Aphasie betroffen. Aphasiker sind eine Behinderten-Randgruppe, die sich im Sinne des Wortes nicht artikulieren kann und über nahezu keine Lobby verfügt.

Umso wichtiger ist für die Betroffenen die gemeinsame Unterstützung und Hilfe durch die Gruppe. Vor allem wird durch sinnvoll zusammengestellte und gemeinsam erworbene bzw. gespendete Therapiematerialien sowie ausleihbare Therapie-Computer die Rehabilitation unterstützt. „Gemeinsam suchen wir Lösungen und Hilfen“, dieses Motto der Gruppe hat sich bewährt, um das schwere Los Aphasie leichter zu bewältigen.

Die Selbsthilfegruppe trifft sich jeweils am zweiten Samstag im Monat um 15 Uhr im Kolpinghaus. Informationen gibt es bei den Vorsitzenden. Karl Brunner, Tel. (0 87 83) 15 79, und Franz Nagel, Tel. (0941) 6 16 90. Beide Ehefrauen sind im Angehörigen-Beirat. Dieter und Waltraud Allhoff stellen den Therapeutischen Beirat, sie sind unter Tel. (09 41) 5 15 11 zu erreichen.