Glücksfall für Aphasiker: Eine Rede halten können

25. Februar 2015

Regensburger Selbsthilfegruppe feierte 20. Geburtstag / OB Schaidinger lobt „menschlichen Umgang miteinander“

REGENSBURG, Montag, 04. Dezember 2006. Sie gilt als eine der aktivsten Selbsthilfegruppen in ganz Ostbayern: die Aphasiker- und Schlaganfallgruppe Regensburg. Am Wochenende hat die Gemeinschaft im Kolpinghaus ihren 20. Geburtstag gefeiert. Oberbürgermeister Hans Schaidinger sagte: „Hier wird der menschliche Umgang miteinander und das ehrenamtliche Engagement in ganz besonderem Maße gelebt.“

Aphasie das ist eine Vielfalt von Sprach- und Sprachstörungen, die häufig durch Schlaganfälle, Schädel-Hirn-Verletzungen oder Gehirntumoren verursacht werden. Doch Aphasia bedeutet häufig nicht nur den ganzen oder teilweisen Verlust der Sprache, sondern auch des Lesens, Schreibens, Buchstabierens oder des Verstehens der gesprochen Sprache.

„Sprache ist fast alles“

„Sprache, die ist fast alles“, sagte der OB in seinem Grußwort „Was es bedeutet, sprechn zu können, weiß man erst zu schätzen, wenn man die Sprache verloren hat“, sagte Schaidinger. Er ist der Aphasiker-Gruppe seit vielen Jahren freundschaftlich verbunden. Bereits vor elf Jahren – noch vor seiner Wahl zum Oberbürgermeister – besuchte er zum ersten Mal ein Treffen der Aphasiker-Gemeinschaft. „Mir ist schon damals die gute, optimistische Stimmung bei Ihnen aufgefallen“, betonte der OB am Samstag vor den rund 70 Mitgliedern sowie vielen Ehrengästen.

CSU-Stadträtin Brigitte Schlee sagte in ihrem Grußwort „Ohne zu übertreiben Von den vielen Gruppen, die ich kenne, fühle ich mich bei Ihnen am heimischsten.“ Schlee verlas auch das Grußwort von Alt-Bürgermeisterin Hildegard Anke, die die Aphasiker seit dem ersten Tag an begleitet. Anke betonte: „Die Gründer der der Gruppe, Dr. Waltraud und Dr. Dieter Allhoff sind den Betroffenen seit 20 Jahren mit ihren hervorragenden Fachkenntnissen eine riesige Hilfe.“

Das Ehepaar Alhoff rief die Aphasiker-Gruppe vor zwei Jahrzehnten ins Leben. Dr. Waltraud Allhoff erinnerte in ihrer Rede am Samstag noch einmal an das Jahr 1986. „Trotz Sprachstörung miteinander sprechen, sei damals das Gründungsmotto gewesen. Zum einen wollten die Allhoffs – beide Logopäden -den Betroffenen den Austausch außerhalb der Behandlungsräume ermöglichen, zum anderen Angehörige zusammenbringen. „Bis heute stoßen Aphasiker auf Vorurteile and Verständnislosigkeit, sagte Allhoff. Sie betonte: „Aphasie ist eine Sprach- und keine Denkstörung“ Aphasiker bräuchten kein Mitleid, sondern Verständnis, Toleranz und Geduld. Seit 17 Uhren leiten Karl and Anni Brunner die Gruppe und gestalten vielfältigste Aktivitäten: Theaterbesuche, Ausflüge in die ganze Bundesrepublik, Weihnachtsfeiern, Treffen mit anderen Aphasikergruppen und Faschingsfeiern. „Gott sei dank haben die Brunners damals noch nicht gewusst, wie viel Arbeit auf sie zukommt“, scherzte Waltraud Allhoff. Karl Brunner ist selbst Aphasiker. Nach einem schweren Unfall litt er unter einer schweren Aphasie, verlor seine Sprache. „Damals konnte ich mir nicht vorstellen, dass diese Gruppe einmal so mein Leben bestimmen wird“, sagte er am Samstag in seiner Eröffnungsrede.

Eine starke Gemeinschaft

„Sie können sich nicht vorstellen, was für eine unbeschreibliche Freude es für einen Aphasiker ist, hier eine Rede halten zu können“, erklärte Brunner. Er beschrieb, wie er mit seinen Aufgaben gewachsen sei. „Anfangs  habe ich die Kartei mit den Geburtstagen gepflegt“, erinnerte er sich – ganz im Sinne Albert Schweitzers, der einmal sagte: „Das Wenige, was du tun kannst, ist viel.“ Drei Jahre später übernahm Karl Brunner gemeinsam mit seiner Frau die Leitung der Gruppe. Betroffene berichteten am Samstag dass ei ihnen heute, zum Teil 20 Jahre nach dem ersten Tag mit der Aphasie wieder besser geht, hätten sie „ihrer“ Aphasiker-Gruppe zu verdanken. Kontakt zu den Aphasikern über die Praxis Dr. Allhoff, Telefon (09 41) 5 15 11, oder über das Ehepaar Brunner. Telefon (0 87 83) 13 79.