Aphasiker- und Schlaganfallgruppe bekommt Unterstützung von Bürgermeister Wolbergs

25. Februar 2015

Auf dem Rückweg vom Urlaub erlitt Franz P.  einen Schlaganfall mit Aphasie. Für den redegewandten ehemaligen Filialleiter eines großen Supermarkes bedeutete dies von einem Tag auf den anderen: Sprachverlust. Selbst einfache Worte des Alltags konnte er nur mit Hilfe und viel Mühe sprechen. Heute hat er nur noch leichte Probleme mit der Wortfindung und mit „Versprechern“ und ist Leiter der Aphasiker und Schlaganfallgruppe Regensburg. Er freute sich, Bürgermeister Wolbergs im Kolpinghaus vor über 50 Betroffenen begrüßen zu können.

Bürgermeister Wolbergs nahm sich Zeit, die ganz speziellen Probleme der anwesenden Aphasikern und Angehörigen anzuhören.   Patienten und Angehörige mit völligem oder teilweisem Sprachverlust treffen sich regelmäßig zu gemeinsamen Aktivitäten. „Das Denken ist bei Aphasikern in der Regel nicht betroffen, aber die Sprache, das Sprechen muss neu erlernt und trainiert werden. Das ist zumeist ein langer, Geduld erfordernder Prozess“ erklärt Frau Dr. Waltraud Allhoff. Die Selbsthilfegruppe wurde von dem Therapeutenpaar Allhoff gegründet und besteht seit über 20 Jahren ehrenamtlich, für viele Betroffene ein regelmäßiger Treffpunkt für gemeinsame Aktivitäten, Austausch von Information, Theaterbesuche, Ausflüge. Egal, wie unterschiedlich und wie schwer die Erkrankung und Sprachstörung ist, immer ist der ganze Mensch betroffen. Was das bedeutet, kann man als Nicht-Betroffener nur ahnen. Besonders belastend für Aphasiker ist, dass sie in der Öffentlichkeit in ihren geistigen Fähigkeiten häufig falsch eingeschätzt werden, in der Gruppe wird jeder so akzeptiert, wie er ist.

Zusätzlich zu den sprachlichen Kommunikations-Schwierigkeiten sind soziale und berufliche Probleme zu bewältigen. Angela G., Ehefrau eines Betroffenen, schilderte beeindruckend die oft unüberwindbaren Hürden, die sie als Mutter von 3 Kindern bewältigen muss: „Da kämpft man für den Mann und die Familie und bekommt immer wieder Knüppel zwischen die Beine, auch und gerade von behördlichen Stellen.“

Karl B., der frühere Leiter der Gruppe, berichtete von seinem Arbeitsunfall, bei dem die linke Gehirnhälfte  mit dem Sprachzentrum schwer verletzt war:

„Ein jahrelanger Rehabilitationsprozess liegt hinter mir, heute kann ich wieder gut sprechen, aber regelmäßige Sprachtherapie gehört weiter zu meinem Alltag. Ich bin froh, dass ich mit meinen Erfahrungen und der Unterstützung meiner Frau anderen Betroffenen helfen kann.“

Peter K., der mit 20 Jahren einen Motorradunfall mit Gehirnverletzung erlitt, schildert seinen erfolgreichen, aber immer noch nicht einfachen Weg: „Ich habe trotz allem Glück gehabt,  habe inzwischen Frau und Kind und etwas Wichtiges: eine Teilzeitarbeit, dadurch werde ich gefordert und ich kann meinen Betrag zur Gesellschaft leisten, trotz Einschränkung.“ ‚Yes, we can!’ war immer sein Motto – privat und in der Gruppe. Seine frühere Freundin und heutige Frau Gisela, die ihn nach seinem schweren Unfall heiratete, wusste, was auf sie zukam: „Immer ist die ganze Familie bei dieser Erkrankung mitbetroffen und gefordert, auch von unserem Sohn wird Einiges verlangt. Aber wir schaffen das – trotz aller Hürden!“

Bürgermeister Wolbergs ging mit sehr viel Verständnis, Interesse und Engagement auf die speziellen und vielseitigen  Probleme der Betroffenen und Angehörigen ein. Sein erster Wunsch: „Ich möchte genau Ihre Schwierigkeiten und Ihre Probleme verstehen.“ Und so nahm er sich nach der Vorstellung typischer Lebensgeschichten im Plenum ausführlich Zeit zu zahlreichen persönlichen Gesprächen mit den Betroffenen.

So versprach er Hilfe nicht nur allgemein, sondern ganz konkret in Einzelfällen. In der Schlussaussprache konnte Dr. Dieter Allhoff zusammenfassen: Die Anwesenden fühlten sich verstanden in Wolbergs Ziel, dass Stärkere sich für Schwächere einsetzen, dass niemand auf der Strecke bleibt – auch wenn er seine Wünsche und Bedürfnisse nicht so artikulieren kann wie andere.